“Ich mache mir Sorgen um Dich!”, sagt er zu mir.

Wir sind beide müde. Erschöpft.
Es gibt so viel zu tun, so viel zu bedenken. Wir machen uns Gedanken um Themen und Menschen. Wir sorgen uns:

versorgen
umsorgen
besorgen
vorsorgen
nachsorgen
fürsorgen
sorgenschwer
entsorgen
sorgfältig.

Sorgerecht. | Sorgepflicht. | Sorge-Arbeit.

Ich schöpfe von meiner Kraft, um diese Sorgen zu tragen. Bis sie erschöpft ist. Bis ich erschöpft bin.
Mentale Arbeit. Die vielen To Dos auf der Liste, der Haushalt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Aber vielleicht sind nicht sie allein so anstrengend.
Ich hab da mal ne These. Vielleicht ist es viel mehr so: Sorgen kostet uns den letzten Nerv!
Sich kümmern ist Denkarbeit – und die erschöpft uns.
Sorge-Arbeit ist aber auch emotionale Arbeit – und auch sie erschöpft uns!
Sorgen belasten. Die Gedanken. Das Gemüt. Sie werden zum Teufelskreis.
Seine Sorgen – um mich – machen mir Sorgen – um ihn.
„Die Erschöpfung macht mir Angst. Wird sie irgendwann wieder weggehen? Werde ich wieder Kraft für meine Kinder haben?“ Eine Freundin fragt mich das.

Und wer sich so sorgt, ist ganz schnell bei Angst.
Es gibt gute Gründe, sich zu ängstigen! „Ein Blick in die Nachrichten reicht“, heißt es so schön, aber ich mache den Radius mal kleiner: „Ein Blick in die Familie/in das Familienleben reicht.“ Hier wird die Angst oft in Form der Sorge ausgedrückt:

  • Können wir uns das leisten?
  • Haben wir die Kraft dazu?
  • Wie werden die Kinder in der Schule zurecht kommen? Tun wir ihnen einen Gefallen mit dieser Schulform? Sollten wir nicht vielleicht besser Freilerner sein?
  • Kommt mein Kind auf der Klassenfahrt oder Freizeit alleine, ohne mich, ohne uns klar?
  • Fügen wir mit unserer Erziehung, mit unseren Wutausbrüchen und unserer Ungeduld den Kindern Schaden zu?
  • Ist der Eingewöhnungsprozess auch nicht zu schnell?
  • Wie soll der Wiedereinstieg in den Beruf gelingen? Ist er auch nicht zu früh? Oder zu spät?

Und so weiter und so fort.

Sorge-Arbeit teilen bedeutet auch, sich die Sorgen und Ängste zu teilen, sie mit-zu-teilen.

Verlustangst, Existenzangst, Versagensangst.
Besorgnis.
Sich Sorgen machen, Sorgen haben.
Geldsorge.
Hauptsorge.
Sorgenkind.
Personensorge.
Sorgenlast.
Alleinsorge.
Selbstsorge.
Kindersorgen.
Alltagssorgen.
Existenzsorgen.

Und die große Sehnsucht ist es, dass wenigstens die Kinder sorglos, sorgenfrei aufwachsen dürfen!

Ginge es denn – ohne Sorgen sorgen? Sorglos, sorgenfrei?
Nein. Wer sorgt, kümmert sich. Und was mich kümmert, macht mich auch mal bekümmert. Trotz Optimismus.

Aber damit wenigstens die Kinder sorglos sein können, reflektieren und regulieren wir als Erwachsene Gefühle und Sorgen, was das Zeug hält und neben allen ToDos beachten wir z.B. Tagesform und emotionalen Zustand der verschiedenen Beteiligten immer mit. Wir sorgen vor und spielen die verschiedenen Möglichkeiten gedanklich durch, damit wir vorbereitet und für alles gewappnet sind. Vor allem, was die Emotionen der Kinder angeht. Und unsere. In nahezu jeder Hinsicht beinhaltet die ToDo-Liste von Sorgearbeitenden auch emotionale Sorgen und Fragen. Sie erschöpfen zusätzlich. Und je gleichberechtigter wir sorgen, umso gleichberechtigter werden unsere Kräfte erschöpft.

Wer erschöpft ist, braucht Erholung.
Das kann Ruhe und Schlaf sein, das kann aber auch etwas sein, dass mich positiv und regenerativ erfüllt. Als sorgende Personen brauchen wir unsererseits ebenfalls Fürsorge und Versorgung. Sorge-Arbeit braucht selbst Sorge. Aber nicht “ich oder wir kümmern mich bzw. uns (auch noch) um mich oder uns”, sondern: “Ich/Wir haben und bekommen Raum.” Für Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Raum für die Seele – nicht nur für die Sorgen!

Raum, den andere für mich und uns gestalten. So, wie ich anderen Raum gebe, wenn ich mich um sie und für sie sorge. Nicht nur für ihre Sorgen, sondern für ihre Seele, ihre Person. Das Sorgen-Machen kann uns niemand „abnehmen“ im Sinn von „dann ist es weg“. Aber weil es beim Sorgen eben nicht nur um praktische, sondern auch um emotionale Belastungen geht, ändert das Schreiben und Reden über die Sorgen und Ängste und über die mental load im Familienleben überraschend viel. Manchmal alles.

Weil nicht (nur) praktische Fragen geklärt werden, sondern der Teil von mir, der sich erschöpft Fragen stellt, versorgt und ermutigt, wieder aufgebaut und regeneriert wird, während er von den Sorgen der anderen hört. Und im gemeinsamen Sorgen um dieses und jenes auf geheimnisvolle Weise Entlastung und Ermutigung erfährt. Vielleicht besteht sie darin, nicht allein zu sein.

Sorge-Arbeit verbindet emotional, wenn wir miteinander reden, uns einander zumuten und uns gegenseitig versorgen. Als Erwachsene, Sorgende. Als Erschöpfte, die aus dem Miteinander neuen Mut schöpfen.

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