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Digitales Eröffnungs-Event für den Kornspeicher

Prokrastinieren, bis es passt: Wie ich Punkt für Punkt Kornspeicher und Bubble erfand

10–15 Minuten

Alles begann ehrlich gesagt mit der Frage, die ich mir im Januar plötzlich stellte. Als ich nämlich eines Tages in meinem kleinen vollgestopften Büro saß und mich fragte, wie ich mehr Ordnung in das große Ganze meiner Arbeit bringen soll, schoß mir durch den Kopf: Warum verbringe ich eigentlich den größten Teil des Tages im kleinsten Zimmer in unserem Haus, wenn doch im zweitgrößten Zimmer ganz viel Platz wäre? Die Antwort war einfach: Dort stand unser Bett. Aber warum hatten wir diese Raumaufteilung gewählt?

Steffi in ihrem alten Büro kurz vor einer Präsentation

Prokrastinieren, bis es passt

Ich sprang auf, schaute mir die Zimmer an und begann, einen Plan zu schmieden. Abends weihte ich meinen Mann ein – und war überrascht, als er ziemlich direkt der Überlegung zustimmte. Natürlich sagte er als stetiger Mensch auch selbstironisch seufzend: „Ich dachte, wir richten die Zimmer für die Ewigkeit so ein!“ Es tut mir Leid. Aber … nee…

Damit wurde das Chaos erst mal größer. Ich fing an, rumzuräumen. Stellte den großen Schrank (seinen!) in ebay Kleinanzeigen rein. Wir hängten eine Decke ab, dachten über Schallschutz nach und strichen Wände. Und eigentlich hätte ich mich in dieser Zeit auf die Osterkonferenz vorbereiten müssen. Den Stand überdenken, Flyer überarbeiten und ergänzen, Seminar und Spotlight vorbereiten. Aber in meinem Kopf wirbelten die Ideen und Gedanken durcheinander, nichts passte so richtig.

Also prokrastinierte ich und übertrug meine Lieblingszeichnung an die Wand im Büro: Die Frau, die für ihr Kind Seifenblasen pustet. Grinsend dachte ich, ich könnte ein neues Insta-Format aufmachen – die Bubblezeit. Babbeln (hessisch: reden) für die christliche Bubble. Einfach drauflos blubbern und entdecken, was dabei entsteht.

Ich malte einen großen farbigen Kreis an die Wand. Als Hintergrund für Videokonferenzen und die Aufnahmen für meine Online-Kurse. Die innere Klarheit darüber, wie ich meine Arbeit bei der Konferenz präsentieren wollte, stellte sich aber immer noch nicht ein. Ich hatte einfach zu viele Ideen und fand das Verbindende nicht.

„Hilf mir, die Punkte zu verbinden“

Schließlich setzte ich mich an meinen Laptop, öffnete den Chat mit der KI und tippte alles herunter. Eine ganze DIN A4-Seite Ideen. „Hilf mir, die Punkte zu verbinden“, schrieb ich und drückte auf Enter. Die KI arbeitete und spuckte eine Idee aus. Keine gute, um ehrlich zu sein, aber das machte nichts. In dem Moment, wo ich Enter gedrückt hatte, war es mir selbst wie Schuppen von den Augen gefallen: Die Punkte verbinden! Genau das war es doch, was ich in meiner Arbeit am meisten liebte: Verschiedene Punkte zu einem großen Ganzen zusammenbringen.

Bilder erkennen, wo andere nur einzelne Punkte sahen.

„Ich möchte deutlich machen, dass der Alltag von Familien so überfordernd ist, weil sie an so viele Punkte denken müssen“, hatte ich aufgeschrieben. Und: „Familien brauchen ein Netzwerk, das sie trägt.“ Dann überschlugen sich die Gedanken fast:

  • Netzwerke bestehen aus Punkten, die miteinander verbunden sind.
  • Punkt für Punkt bewegen wir uns auf unserem Lebens- und Entwicklungsweg. Schon vor zwei Jahren war das mein Bild in einem Workshop gewesen.
  • Meine Sticker mit dem Familien-begleiten-Logo sind an dieses Standort-Symbol angelehnt – den eigenen Standpunkt finden und dort beweglich sein ist ein Bild, das ich in der Beratung immer wieder verwende.
  • Wenn ich über das Thema Gefühle spreche, will ich an den Kern dessen kommen, worum es geht, will es auf den Punkt bringen.
  • Und meine Visualisierung für Grenzen und Grenzachtung sind Kreise, Punkte, die aneinander stoßen.

Punkt für Punkt Miteinander gestalten

Ich sprang auf und lief aus dem alten in mein neues Büro und starrte an die Wand. Dort war er, der Punkt. Groß und mintfarben an der Wand. Und noch etwas anderes war da: Die Seifenblasen. Schillernde Träume von dem, wie Familie sein könnte und sollte. Sie zerplatzen leicht, aber machen so viel Freude. Um meine Angebote darzustellen hatte ich schon gleich am Anfang Bubbles genutzt. Viele Ideen, große und kleine, die ich in die Welt gepustet habe in der Hoffnung, damit jemandem Gutes tun zu können.

Mein Blick wanderte zwischen Bubbles und Kreis hin und her. Genau das war es, was ich in den letzten Wochen erlebt hatte: Aus den vielen Ideen formte sich endlich ein klares Angebot! Die Kursplattform, von der ich schon seit Jahren träume, gewann Gestalt. Ich hatte die Tools gefunden, mit denen ich sie so realisieren konnte, wie ich das wollte. Ich hatte mit den zwei Clubs, zu denen ich seit Anfang des Jahres gehöre, und mit dem wöchentlichen Dorfgespräch als Feedback für meine Arbeit endlich selbst ein solches Unterstützungsnetzwerk gefunden, quatsch: aufgebaut, wie ich mir das für Familien wünsche. Durchaus anstrengend, weil sie diese Denkprozesse angestoßen haben und mich damit aus meiner Komfortzone herausfordern, aber … gut einfach.

Ich musste laut rauslachen, denn ich hatte gar nicht prokrastiniert, ich hatte meinen inneren Prozess und meine Vision von meiner Arbeit als Bild an die Wand gemalt – so lange, bis ich endlich die 1000 Ideen auf den Punkt bringen konnte:

Prokrastinieren ist manchmal nur ein anderes Wort für die wichtigste Arbeit in Entwicklungsprozessen: Sie brauchen Zeit. Und Punkt für Punkt entsteht dann vielleicht sogar etwas ganz Großes!

Punkt für Punkt Miteinander gestalten.

Das ist mein Motto. Das Miteinander gestalten und zwar gemeinsam.

Dein Punkt zählt

Aus 1000 Ideen wurden Bubbles, aus Bubbles wurden Punkte, aus Punkten wurden Netzwerke – und ich hatte ein Bild und eine Vision. Aber wie ich bei der Osterkonferenz merkte: Ich hatte noch keine wirklich guten Worte, um zu erklären, für wen ich bei Familien begleiten eigentlich was genau anbiete, wer ich bin und was ich mache. Also, na klar weiß ich, wer ich bin. Ich hatte gerade erst einen Beitrag mit mehr als 50 Fun Facts über mich veröffentlicht.

Aber wer bin ich für die Leute, die mit mir arbeiten? Was biete ich denn an, wer ich für sie sein kann?

Den Aufdruck „Dein Punkt zählt.“ für die T-Shirts habe ich geplottet und erst auf der Osterkonferenz aufgebügelt

Ich dachte, ich frage mal nach. Mit einem kleinen Team von Menschen, die meine Arbeit gut finden, präsentierte ich meine Arbeit. „Dein Punkt zählt“ stand auf ihren T-Shirts – auch auf dem vom Kleinsten, der erst 4 Jahre ist. Man konnte Punkte in einem Punkteraster ausmalen.

Von Nahem echt überfordernd, aus der Distanz war schon das Bild zu erkennen. Es ist gar nicht so wichtig, wann genau es fertig ist: Jeder Punkt zählt! Wir fragten, welche Punkte Familien- und Gemeindeleben ausmachen. Aus den einzelnen Themen, für die ich Online-Kurse anbieten könnte, entstand bei einer Umfrage ein Netzwerk von Punkten. Bei den Kindern hatte jemand Spaß und machte dabei unbeabsichtigt sichtbar, wie sich Familienleben manchmal anfühlt: Alles ist mit allem verbunden.

mein Häuschen bei der Osterkonferenz 2026
Das war die Umfrage zu Seminar-Themen in Familie, Gemeinde und für einen persönlich
Pixelart Bild Frau pustet Seifenblasen

On point: Allein verantwortlich.

„On point“ bin ich mit all meinen Beobachtungen, stellte ich jedenfalls mal wieder fest. „Wow, das trifft es genau!“, hörte ich mehr als einmal, wenn ich über die Belastungen im Familienleben spreche. Die irgendwie mit den vielen Aufgaben zu tun haben, aber viel mehr noch mit den Erwartungen, den Idealen und dem Wissen über Entwicklung, mit denen frau konfrontiert ist. Man natürlich auch, aber vor allem frau kann das alles nicht einfach so zur Seite wischen!

Vier Frauen und ihre Männer

So berichtet es die Frau auf der Osterkonferenz, die seit Jahren zum ersten Mal für eine Nacht ohne ihre Kinder unterwegs ist. Es ging vorher einfach nicht, erklärt sie. Und auch jetzt ging es nur mit ausreichend zeitlichem Vorlauf, damit ihr Mann sich das einrichten kann und weiß, wie was läuft. Das kann und will sie ihm nicht mal zum Vorwurf machen, er weiß ja auch einfach viele Dinge nicht. Dafür macht er anderes, was sie nicht kann. Und sie ist für die Kinder zuständig – und will das auch sein!

Ihre Freundin kann das nicht begreifen. Sie hat sich von Anfang an Zeit für sich allein genommen, hat ihrem Mann das Kind überlassen, gesagt: „Your turn, Dich zu kümmern!“ und die Tür hinter sich zugemacht.

Was sie nicht realisieren und auch mir erst später klar wird: Beide beschreiben dasselbe Modell von Care-Verantwortung. Da geht es nicht um Du oder ich, er oder sie, um Erwerbsarbeit oder Care-Arbeit. Es geht um die Frage: Was bedeutet es, zuhause zu sein – oder unterwegs? Wer kennt sich womit aus und wer braucht Hilfe? Dass die eine ihre Abwesenheit vorbereitet und die andere einfach geht, ist am Ende nicht der größte Unterschied zwischen den beiden.

Es sind die Fähigkeiten und die Bereitschaft ihrer Männer für Care-Arbeit.

In Worten ausdrücken tut das eine andere Frau, als sie mein Buch in den Händen hält und überlegt, ob sie es kauft. Während ihr Mann danebensteht, fragt sie mich: „Sei ehrlich, Steffi. Macht es Sinn, dass ich allein daran arbeite?“ Ich verstehe gut, was sie meint. „Ja“, sage ich. „Die Sorge, dass wir den Männern davon laufen mit unserer Entwicklung, hat uns alle gemeinsam lange genug kleingehalten. Es ist Zeit für Veränderung!“

So richtig begreifen tue ich das aber selbst auch erst, nachdem ich eine Woche lang in Haus, Hof und Garten gerödelt habe – und Übernachtungsbesuch von ein paar Kindern hatte. Als ich meinem Mann erkläre, dass eine Einschlafbegleitung bis 21 Uhr nichts Außergewöhnliches sein muss und ein paar Tage später stolz die Wand im Gästebad verputze, arbeitet dieser Zusammenhang weiter in mir.

Die Lücke wird größer

Ich muss an den Aprilscherz denken, den ich irgendwann vor Ostern auch noch geschrieben habe. Die Eierlegende Wollmilchsau ist nicht vom Aussterben bedroht, denke ich ein wenig selbstironisch. Sie arbeitet nur nicht mehr in der Gemeinde! Es rattert in mir, während ich aus der Blumenwiese im Garten das vertrocknete Gras ausharke und neue Blumen einsäe. Ich weiß, dass ich den Faden von diesem Scherz noch einmal aufnehmen möchte, denn an den sechs Gründen, warum sich Mitarbeit verändert hat, ist einfach zu viel Wahres dran! Sie haben mit Familienleben zu tun oder besser gesagt: Damit, wie gesellschaftliche Veränderungen in der Familie wirken und wie Frauen in Care-Verantwortung das auffangen müssen, weil es sonst keiner sieht.

Schon gleich beim Brainstorming für den Aprilscherz war Vorratshaltung als Lösung für das Aussterben der Eierlegenden Wollmilchsau zur Sprache gekommen. Wenn uns nicht mehr diese Eine versorgen kann, müssen wir wieder mehr miteinander teilen, dachte ich. Ein schönes Bild für das Dorf! Aber wie bringe ich dieses schon wieder neue Bild mit der Punkte-Vision überein, mit Seifenblasen und dem Netzwerk aus Einzelnen? Was ist der Kern von all dem? Und wie kommen wir denn weg von der Eierlegende-Wollmilchsau-Mentalität und hin zu mehr geteilter Verantwortung?

Und vor allem: Wie geht das, wenn die anderen nicht mitmachen – weil sie nicht wollen oder weil sie es einfach nicht sehen?! Oder noch schlimmer: Weil die Lücke immer größer wird zwischen denen, die in der Care-Arbeit geübt sind und denen, die „Das bisschen Haushalt“ ohne jede Ironie singen, weil es in ihrer Lebensrealität wirklich „von allein“ passiert?

Nichts passiert von allein!

Ich bleibe an „von allein“ hängen. Ja, allein trifft es. Oder: „Allein“, mit großem A. Die Dinge werden „von Allein“ gemacht – von der alleingelassenen Care-Arbeiterin, die als Eierlegende Wollmilchsau alles tut, was andere nicht sehen, dürfen oder können. Nicht, weil sie von Natur aus eine Alleskönnerin ist, sondern weil sie alles können muss, weil so viel von ihr abhängt.

Und je mehr Care-Arbeit zu einer Sache geworden ist, die im Haus verborgen passiert, die wie von allein geschieht, damit die anderen sich hier von ihrer anstrengenden Arbeit erholen können, so lange Verantwortung nur für begrenzte Zeiträume abgegeben wird und dann wieder als Alleinverantwortung zurückkommt, so lange sind wir nicht wirklich bei Vorratshaltung angekommen!

1000 Punkte, 1000 Samen

Im Garten stecke ich Setzlinge in die Erde, topfe um, schneide zurück. Nehme mir die Samentüte mit dem Mohn, den meine Mama mir gegeben hat. 1000 kleine Punkte. 1000 kleine Samenkörner, aus denen etwas wachsen wird, das unseren Garten verändert. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ja, das ist endlich die Verbindung!

Vorratshaltung bedeutet klein anzufangen. Sie bedeutet, Schritt für Schritt, Punkt für Punkt Entwicklung begleiten, sie zu pflegen und dabei auf reiche Ernte zu hoffen. Keine Hoffnung auf Unwahrscheinliches, sondern auf Erwartbares. Nur eben … mit Zeit.

Und in der Zwischen-Zeit? Da zehren wir von dem, was noch da ist. Was wir von unseren Vorfahren bekommen haben. Denn das ist unsere Grundlage, von der aus wir starten. Und es ist nicht wenig, auch wenn wir manches aussortieren.

1000 Ideen in meinem Kopf, 1000 Punkte, die ein Bild ergeben, 1000 Samenkörner, die noch wachsen dürfen – und die dann selbst Ernte bringen, ein Vielfaches von dem, was wir heute säen.

Orte zum Sammeln und Träumen

Vorratshaltung braucht einen Ort, an dem wir sammeln, was uns nähren wird. Bei meiner Oma war das Kämmerchen der Ort, an dem sie ihre Vorräte lagerte und der Dachboden. Doch das ist alles zu klein gedacht. Denn das Bild muss auch für Gemeinde passen. Dort gilt ja dasselbe wie in Familie – wir haben verlernt, gemeinsam Verantwortung für das Miteinander zu tragen, haben die Verantwortung an Einzelne delegiert und während ihr Platz immer zentraler wurde, sind wir an den Rand gewandert – und darüber hinaus. Nicht aus der Care-Verantwortung an sich. Wir suchen und sehnen uns nach einem Dorf, nach der Bubble, zu der wir dazugehören und in der wir wichtig sind. Nicht, weil alles von uns abhängt, sondern weil wir unseren Punkt beitragen können zu einem großen Ganzen.

Was wir brauchen, ist ein Kornspeicher. Kein Silo, sondern ein Haus, in dem wir säckeweise unsere Vorräte lagern können und sie teilen. Von denen wir nehmen, was wir brauchen und die für alle reichen, weil sie nicht aufgebraucht werden.

Und wir brauchen diesen sicheren Ort, diese Bubble, die träumt und macht und deren Ideen zerplatzen, aber die dennoch Freude machen und Hoffnung geben und vor allem: Uns einander näher bringen. Auf der Suche nach dem, was Gemeinschaft und geteilte Verantwortung wirklich ausmacht. Mit 1000 Ideen, zerrieben und gemahlen, auf den Punkt gebracht und mit anderen neu vermengt zu etwas, das uns nährt, während wir neu aussäen.

Weil wir eine Familie sind, die Punkt für Punkt Miteinander gestaltet. Ich leg los. Machst Du mit?

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