Warum ein volles Wochenende Ausdruck meiner Lebensvision ist – und wie Deine Lebensvision in Deinen Kalender passt
Am 30. April und 1. Mai ist mein Mann traditionellerweise unterwegs und pflegt Beziehungen zu Freunden von früher. An diesem Wochenende ist mein Kalender oft leer. Und ich genieße mein Alleinsein an diesem Feiertag! Dieses Jahr hatte ich mich besonders darauf gefreut, weil ich samstags dann arbeiten musste und das angekündigte schöne Wetter verhieß, mit richtig viel Zeit allein im Garten rumrödeln zu können – so wie ich will!
Doch es kam anders als gedacht und das Wochenende wurde voll mit Terminen für mein Familiendorf: Am Freitag begleitete mich Patenkind 1 knapp fünf Stunden im Garten. Samstag hängte ich an meine Arbeit noch das Lernen für eine Klassenarbeit mit Patenkind 2 dran. Eine Stunde geplant, ein bisschen länger geblieben. Sonntag hatten wir Besuch von einer befreundeten Familie zum Mittagessen und Sonntagnachmittag war FamilienZeit bei uns – unser monatliches Treffen mit ein paar befreundeten Familien. Und um dem die Krone aufzusetzen, ließ ich unsere Gäste zwischendurch im Garten plaudern, während ich bei der Pflanzentauschaktion hier im Ort neue Kontakte knüpfte!
Ganz schön viel für ein Wochenende und ein bisschen verrückt? Ja, schon.
Hat es mich etwas gekostet, meine Vorstellungen von „Freiheit zum Rödeln“ loszulassen, meine Gäste zurückzulassen und nach der Arbeit direkt zum Lernen zu fahren? Ja, klar!
Und war ich nach diesem Wochenende vollkommen erschöpft und dachte: Das darf mir nie wieder passieren? Nein, ganz sicher nicht! Im Gegenteil: Ich bin ganz erfüllt von den vielen schönen Begegnungen und von dem Wissen, dass diese Beziehungen einfach tragen.
Aber dass ich das so erlebe, hat sich im Lauf der letzten Jahre entwickelt – weil ich einige Entscheidungen sehr bewusst getroffen habe. Ich muss nicht befürchten, dass jedes Wochenende so voll ist oder aus Versehen so voll wird, weil ich meine Entscheidungen auf einer klaren Grundlage treffe: Meiner Vision von mir selbst!
Ich weiß, wer ich sein will
Schon seit ich Jugendliche bin, spielen Werte und Ziele in meinem Leben eine große Rolle. Immer wieder habe ich Bücher und Zeitschriften gelesen, Podcasts gehört und an Kursen teilgenommen, mit denen ich ein selbst-bewusstes Leben kennengelernt und eingeübt habe. Seit ich 14 bin, begleitet mich die Vision, einmal eine weise alte Frau zu sein. I know, ein bisschen cringe. Ich war halt eins von diesen altklugen Kindern, die andere gern mit ihren Einsichten … „beglücken“. Aber weise sein zu wollen, ist jetzt nicht die schlechteste Vision – sie hat nur viel mit Erfahrung zu tun. Deshalb ging ich ja auch davon aus, dass ich das erst als alte Frau sein würde.

Alt würde ich von allein, so viel war klar. Aber ob ich auch weise würde, lag in meiner Verantwortung. Während meiner Abi-Zeit beschäftigte mich mein Umgang mit Zeit als ein wichtiger Aspekt von Weisheit. Angeregt durch irgendeine Zeitschrift oder ein Seminar habe ich wochenlang getrackt, mit was ich meinen Tag verbringe.
I know, wirklich verrückt! Aber so bekam ich einen Überblick darüber, was mir so wichtig ist, dass ich dafür Zeit einsetze – und wie viel meine Verpflichtungen meinen Tag füllen. Von dem Bewusstsein über den Wert meiner Zeit, das ich damals gewonnen habe, zehre ich letztlich noch heute: Mir ist klar, dass und in welchem Ausmaß ich in der Hand habe, meine Zeit zu gestalten oder auch nicht.
Und das bedeutet auch: Ich entscheide, wie viel meiner Zeit ich für Beziehungen einsetze. Irgendwann ging mir nämlich auf, dass ich nicht nur für mich allein weise sein wollte, sondern dass in meiner Vorstellung die weise alte Frau von Menschen umgeben ist.
Und dann besuchte ich vor einigen Jahren einen Kurs, der einen letzten Anstupser gab, die Zusammenhänge zwischen meiner Zeit, meinen wichtigsten Beziehungen und dem, wer ich sein möchte, zu sehen – und proaktiv zu gestalten.
Priorität für das Miteinander – geplant und dynamisch
Seitdem lebe ich viel bewusster und deutlich weniger mit einem schlechten Gewissen bei der Frage, bei was ich zusage und dabei bin und bei was nicht. Seitdem weiß ich z.B.: ich möchte eine Patentante sein, die am Leben ihrer Patenkinder beteiligt ist. Nicht nur, weil das cool ist – das ist es auch. Und Anerkennung bekomme ich auch viel dafür. Aber mich motiviert vor allem mein Anliegen, weise zu leben – und deshalb: in Beziehungen zu leben. Eben nicht als eine, die anderen Weisheit weitergibt, sondern die selbst Lernende ist und sich deshalb mit jungen Menschen umgibt.
Ich brauche die Integration in Familienleben, wie ich sie aktuell lebe, weil das für meine eigene psychische Gesundheit und meine Fähigkeit und Bereitschaft für Veränderung notwendig ist. Deshalb lebe ich nicht nur an einem 1. Mai-Wochenende, sondern 52 Wochen im Jahr ganz bewusst Beziehungen. Unsere Patenfamilien haben dabei Vorrang, weil wir ihnen gegenüber ganz klar Verantwortung übernommen haben.
Mit zwei Patenfamilien bedeutet das je einen Nachmittag pro Woche. Mit der dritten Patenfamilie hier vor Ort ist das anders. Auch da haben wir gute Beziehungen, aber weniger Verflechtungen im Alltag. Immer wieder denke ich darüber nach, wie wir auch mit dieser Familie eine gute Form von Beziehung leben. Es ist schwer vorstellbar, wie ich noch mehr von meiner Zeit regelmäßig für die Patenkinder reserviere. Aber gerade deshalb nehmen mein Mann und ich uns bewusst Zeit, wenn sie anfragen, um das Patenkind neben den regelmäßigen Treffen bei der FamilienZeit auch allein zu sehen.
Keine Selbstverständlichkeit
Es ist für uns alle klar: Dass ich bzw. mein Mann und ich gemeinsam unsere Beziehungen so gestalten, ist wirklich nicht selbstverständlich. Wir tun es, weil wir bewusst Verantwortung übernommen haben. Diese Nähe, die Entlastung der Familien und die intensive Zugehörigkeit von uns zu den Familien würden nicht von alleine passieren. Man fordert sowas ja nicht ein! Auch die dritte Patenfamilie würde das niemals tun – auch wenn sie den Vergleich mit den anderen sehen und spüren.

Damit diese Beziehungen so werden konnten, wie sie es aktuell sind, haben wir sehr gezielt geplant, wie wir diese Kinder und ihre Familien treffen wollen. Ohne diesen Plan wären wir heute nicht da, wo wir sind. Es war ein Plan, der meiner Lebensvision von Weisheit entspricht und von dem ich das in die Tat umgesetzt habe, was zu mir und meinem Leben passte. Nicht alles aus dem Plan haben wir umgesetzt – und das ist auch völlig normal und okay so: Jeder Plan ist eine Suchbewegung nach Möglichkeiten und beim Umsetzen entsteht Klarheit darüber, was wirklich trägt und was nicht.
Ja, Beziehungspflege kostet. Aber Beziehungen nicht zu pflegen, kostet mich mehr
Und ja, das bedeutet, Kosten auf mich zu nehmen. Regelmäßig im Alltag mein Tun zu unterbrechen für die Familien. Gelegenheiten für Beziehungen zu nutzen, wenn sie kommen. Nicht, dass ich immer Ja sage. Ich nehme mir Pausen und brauche meine Alleinzeit. Und nicht zuletzt muss ich ja auch arbeiten! Aber ich plane sie möglichst so, dass sie mir hilft, meiner Verantwortung in unserem Beziehungsnetzwerk gerecht zu werden.
Und wenn eine Anfrage kommt, habe ich mich grundsätzlich für die Bereitschaft entschieden, meine Pläne zu verändern.
- Ich lasse mich auf Ideen ein, die mir zunächst fremd sind.
- Ich ändere meine Perspektive und schaue auf mein Zuhause mit einem anderen Blick, wenn Familien mit kleinen Kindern da sind.
- Ich gebe manche Allein-Sein-Zeit auf.
Aber mein Zuhause wird zur Oase für andere. Die Kinder wissen, dass sie auf mich zählen können. Und ihre Eltern ebenfalls. Ich kann mich mit dem einbringen, was ich kann und was mir Spaß macht (Ja: Hausaufgaben machen und Lernen für die Schule!) Und wenn ich mit dem Patenkind im Garten ackere, nehme ich es mit in mein Leben hinein: Ich zeige ihm, was mir wichtig ist – und erlaube ihm, mein Leben ganz konkret zu beeinflussen. Das ist mir viel mehr wert, als es mich kostet, weil diese Wechselseitigkeit echte Beziehung ausmacht.
Und deshalb habe ich am Sonntag auch meinen Korb mit den vorbereiteten Pflanzen und Setzlingen genommen und bin zum Pflanzentausch gegangen, obwohl wir Gäste hatten. Ich musste dafür zuerst sogar meine eigene Unsicherheit überwinden, weil ich gar nicht genau wusste, wie das mit dem Pflanzentausch funktionieren würde. Meinen Gästen konnte ich die Abwesenheit zumuten, weil mein Mann ja noch da war und weil diese Haltung Teil dessen ist, wie wir Beziehung miteinander leben: Wir machen Platz für die Anliegen der anderen, auch wenn uns das etwas kostet.

Und es hat sich gelohnt: Ich bin sehr glücklich zurückgekehrt! Nicht nur, weil ich pflanzen losgeworden bin. Ich brauche solche Aktionen auch deshalb, weil sich Kontakte im Dorf durch unsere Kinderlosigkeit nicht automatisch ergeben und ich auf Gelegenheiten von außen angewiesen bin, um Menschen zu treffen, die ähnliche Interessen haben wie ich. Das wunderschöne Miteinander bei diesem Pflanzentausch war für mich ein guter Anfang: Saat für mehr Kontakt in unserem Ort. Das ist ein Punkt in meinem Lebensplan für Weisheit, um den ich seit ein paar Jahren herumschleiche und der nur dann ein Stück gewachsen ist, wenn ich passende Dinge (wie den Pflanzentausch) gefunden, in meinen Kalender geschrieben – und dann auch in die Tat umgesetzt habe. Allen Kosten zum Trotz.
Punkt für Punkt Miteinander gestalten
Als ich mit 14 meine Lebensvision aufschrieb und mit 18 meine Zeit getrackt habe, habe ich nicht schon geplant, dass ich mit 38 meine Gäste im Garten zurücklassen würde, um im Ort zu einer Pflanzentauschaktion zu gehen. Natürlich nicht. Aber würde ich meine Vision nicht kennen und hätte ich nicht diese Perspektive auf Zeit geübt, wäre ich wahrscheinlich nicht zum Pflanzentausch gegangen, würde es die FamilienZeit vielleicht nicht geben und ganz sicher würde ich nicht so regelmäßig in meinem Kalender Platz machen für mein Familiendorf. Warum ich mir da so sicher bin? Weil das, was heute gewachsen ist, das Ergebnis der Samen ist, die ich damals gelegt habe. Von diesem Prinzip des Säen & Erntens bin ich zutiefst überzeugt.
Und diesem Prinzip folgend ist meine Arbeit im Kornspeicher und der Bubble von Familien begleiten, meiner Online-Kurs-Plattform und der Community-App, nichts anderes als eine großangelegte Pflanzentauschaktion!

Der Kornspeicher bietet Samenkörner und kleine Setzlinge für die Dinge, die wachsen dürfen und müssen: Kurse und Seminare für mehr Miteinander und geteilte Verantwortung von Gemeinschaften – also für das, was ich lebe und gelernt habe.

Die Bubble ist der Treffpunkt für die gemeinsame Arbeit daran, wie das Miteinander in unterschiedlichen Konstellationen und Lebensphasen gelingen kann.
Je früher Du damit anfängst, Dich mit diesen Fragen zu beschäftigen, umso früher kannst Du die Ergebnisse ernten. Die Grundlage bildet die Entscheidung, genauer hinzuschauen:
- Wo möchtest Du neu beginnen?
- Wie ist das mit dem verbunden, wer Du bist und sein möchtest?
- Und was sind deine nächsten Schritte dafür?
Lass mich Dir einen ersten Schritt vorschlagen: Abonniere meinen wöchentlichen Newsletter. Und entdecke nach und nach, was sich im Kornspeicher und in der Bubble ganz konkret für Dich verbirgt!

zum Wundern über die Tiefe im Alltag!

