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Wenn Du diesen Beitrag lieber hören als lesen möchtest, hör mal hier rein:
Teil 1 (ca. 10 Min) und Teil 2 (noch mal ca. 10 Minuten).
Morgen ist es so weit: 8. März, Weltfrauentag. Und am Montag, am 9. März 2026, findet der globale Frauenstreik statt. Ein guter Anlass, um die Frage zu beantworten: Welches Verhältnis habe ich als Christin eigentlich zum Feminismus?
Das ist eine spannende Frage, aber eigentlich müsste sie das gar nicht sein. Auf den ersten Blick ist sie zwar ganz einfach zu beantworten: Ich bin Christin und Feministin. Aber ehrlich gesagt sage ich das noch gar nicht so lange – und auch erst seit kurzem laut.
Ich bin Christin und Feministin.
Mit dieser Aussage steigt die Spannung – die Anspannung, was von beidem ich wohl mehr bin. Dass beides gleichzeitig sein kann, ohne dass ich davon zerrissen werde, können sich viele kaum vorstellen. In der Tat spielte das eine bisher in meinem Leben eine größere Rolle als das andere, weil es schon länger andauert: Ich bin schon länger Christin als Feministin. Und wer weiß, dass ich in einer Brüdergemeinde aufgewachsen bin, ist vielleicht erstaunt, wenn ich heute sage: Mein Christsein trägt mein Feministin-Sein. Vor allem das Christ-Sein in evangelikaler Färbung und Feminismus scheinen zwei Pole zu sein, die sich gegenseitig ausschließen.
Bitte differenzieren!
Und tatsächlich: Ich stimme nicht mit allem überein, was sich feministisch nennt. Überhaupt nicht. Aber ich stimme auch nicht mit allem überein, was sich christlich nennt! Überhaupt nicht. Ganz besonders dann nicht, wenn Feminismus von christlicher Seite aus (aber ja auch in der Breite der Gesellschaft immer mal wieder) abgewertet wird.
„Feministin!“ gilt oft als Schimpfwort. Das finde ich erschreckend.
Feministisch zu argumentieren, gilt als „Zeitgeist“. Das finde ich irritierend.
Feminismus gilt per se als männerfeindlich und anti-weiblich. Das ist schlichtweg ignorant gegenüber den Anliegen der meisten Feministinnen.
Eine Perspektive, die von der Würde jedes Menschen ausgeht
Insbesondere die intersektionale feministische Perspektive auf die Welt ist etwas wirklich Positives, zu dem ich Dich mit diesem Beitrag herzlich einladen möchte: Sie bedeutet eine Perspektive auf Frauen und Männer, die von der Würde jedes Menschen ausgeht. Intersektionaler Feminismus macht darauf aufmerksam, dass neben der Zuschreibung von Geschlecht noch andere Zuschreibungen wirksam sind. Sie verstärken sich wechselseitig: Die Würde eines Menschen wird immer weniger anerkannt, je weniger er oder sie den Erwartungen an einen „normalen“ Menschen entspricht. Das bedeutet z.B., dass Menschen andere Menschen, die z.B. eine Behinderung haben, Kinder oder eben Frauen sind, in bestimmten Situationen bevormunden, weil man davon ausgeht, dass sie etwas nicht allein können.

Die Würde der Frau liegt in ihrem Mensch-Sein
Der Intersektionale Feminismus kämpft deshalb dafür, die Würde jeder Frau (und jedes Menschen, der aus anderen Gründen diskriminiert wird) bedingungslos anzuerkennen und praktisch werden zu lassen. „Das tun wir auch“, würden viele evangelikale Christinnen und Christen sagen, „sogar mehr als der Feminismus!“ Und ich verstehe, warum Christ:innen davon überzeugt sind. Sie betonen, dass es bei ihrer Wertschätzung für Frauen um das geht, was das Weibliche natürlicherweise ausmacht. Aus der Perspektive mancher Christinnen und Christen vermittelt der Feminismus den Frauen dagegen, es sei erstrebenswerter, wie ein Mann zu sein: arbeiten zu gehen z.B.
Ich möchte einen sehr persönlichen Blick mit Dir teilen, warum die Betonung des „natürlich Weiblichen“ für mich ein Problem ist.
Ich kann meine Würde nicht an den klassischen Beschreibungen vom Frau-Sein festmachen
Allzu oft beginnt das christliche Zusprechen der Würde von Frauen bei ihrer Gebärfähigkeit. Frauen werden gewürdigt, weil sie Leben schenken. Aber als kinderlose Frau, die keine Kinder gebären kann, kann ich das nicht als Würde der Frau nennen, ohne meine eigene Würde in Frage zu stellen.
Allzu oft beruht die Würde, die Frauen von Christinnen und Christen zugesprochen wird, auf ihrer angeblich natürlichen Fähigkeit, empathisch, liebevoll, mitfühlend zu sein. Aber als Frau, deren größte Stärke analytisches Denken ist und die sich stärker über den Kopf als das Herz einfühlt, kann ich das nicht, ohne mir selbst das echte, natürliche Frausein abzusprechen.
Allzu oft wird Frauen Würde zugesprochen als denjenigen, die ein Heim heimelig machen, die einfach besser darin sind, andere zu versorgen. Ich kann das tatsächlich und ich tue es gern. Aber als Frau eines Mannes, der diese Fähigkeit nicht nur sehr gut, sondern in weiten Teilen besser beherrscht als ich, kann ich das nicht.
Ich kann es nicht – und ich will es nicht.

Ich will Würde bedingungslos glauben
Ich will nicht diese Erzählungen über Frauen erzählen, die viel zu oft als christlich gerahmt werden, aber eigentlich eine biologistische Verkürzung sind. Wahre Würde braucht keinen anderen und spezifischeren Grund als einzig und allein die Anerkennung, dass wir Menschen sind. Aus christlicher Perspektive resultiert dieses Menschsein für Frauen genauso wie für Männer aus der Liebe. Was meine ich damit?
Als Christin lese ich: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild.“ (1. Mose 1,27) Gott ist die Liebe und das heißt: Menschen sind ein Abbild dieser vollkommenen Liebe! Unsere Würde besteht also nicht in dem, was unser Geschlecht (angeblich) ausmacht, sondern darin, dass wir Ebenbilder Gottes sind. Als Männer und als Frauen sind wir das: Ebenbilder Gottes, Ebenbilder der Liebe. Wir sind es so, wie wir sind. Nicht so, wie wir angeblich „typisch weiblich“ sein sollen, nicht erst, wenn wir Leben geschenkt haben, Schönheit versprühen oder die ganze Welt umarmen. Nein, wir sind Ebenbilder so, wie wir sind.
Viele Feminist:innen begründen die Würde von Menschen anders. Mich persönlich ermutigt die christliche Perspektive. Aber egal, wie man sie begründet, die Würde des Menschen bleibt ein unhintergehbarer und unbedingt gültiger moralischer Anspruch an unser Miteinander.
Auch bedingungslose Würde ist verletzlich
Feminismus ist für mich der Kampf für den Wert der Frau. Als Christin weiß ich, ich muss für meinen Wert und meine Würde nicht kämpfen, ich kann sie mir nicht erkämpfen. Sie sind mir zugesprochen. Geschenkt. Als Feministin und Christin spreche ich in Gottes Namen Frauen Würde zu. Allen Frauen, aber ganz besonders denen, denen ihre Würde schon zu oft abgesprochen wurde. Auch von Christen.
Diese Würde ist zu achten, unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder was auch immer. Menschen haben schon vieles benutzt, um die Würde anderer zu verletzen. Denn ja, da sind zwei Dinge gleichzeitig wahr:
- Dass die Würde des Menschen unantastbar ist und
- dass die Würde von Menschen – insbesondere von Frauen – permanent verletzt wird.
Diese Welt ist nicht gut, so, wie sie ist
Als Feministin und als Christin sage ich deshalb: Diese Welt ist nicht gut, so wie sie ist. Auch ohne dass ich Beispiele aufzähle, werde ich für diesen Satz wohl volle Zustimmung von allen Seiten bekommen. Wir wissen und sehen, dass vieles nicht so ist, „wie es sein sollte“ bzw. wie wir es uns wünschen.
Die Ärzte singen „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Viele Christen würden dem widersprechen. Im christlichen Glauben ist die Kurzformel für den Zustand der Welt „Sünde“ und dass wir in einer „gefallenen Welt“ leben: Weil Menschen Sünder sind, bekommen wir es nicht besser hin.

Misstrauen gegenüber der Liebe ist der größte Beziehungsfail
Das betrifft auch das Verhältnis von Männern und Frauen. Und seit Jahren finde ich eine Sache extrem merkwürdig. Trotz dieser Grunderzählung über die „gefallene“ Welt bezeichnen gerade die sehr konservativen christlichen Kreise die offensichtliche Ungleichbehandlung von Männern und Frauen nicht als Sünde. Ja, es gibt die Christinnen und Christen, die Abwertung und Benachteiligung von Frauen zum – mindestens strukturellen – Vorteil der Männer als Sünde benennen. Aber es gibt auch diejenigen, die die Dominanz von Männern als Schöpfungsordnung bezeichnen! Dabei beschreibt die biblische Erzählung die Herrschaft des Mannes als das Ergebnis des Beziehungsfails, der im Mittelpunkt des sogenannten Sündenfalls steht: Misstrauen gegenüber Gott – gegenüber der Liebe! Und daraus resultiert Misstrauen zwischen Menschen, zwischen den Geschlechtern. Die Geschichte dazu in 1. Mose 3 erklärt, was man in der „gefallenen“ Welt beobachten kann:
Frauen
- erleben im Verhältnis zu Männern Abhängigkeit (-> „Er wird über Dich herrschen“)
- und existentielle Bedrohung in ihrer Sexualität und den Konsequenzen (-> „Mühsal in Deiner Schwangerschaft“, „unter Schmerzen wirst Du gebären“).
- Sie sehnen sich nach einem guten Miteinander mit den Männern, aber:
- Männer
- werden von ihrer Arbeit und ihrer selbstauferlegt alleinigen Verantwortung als Ernährer vereinnahmt („Mit Mühe wirst Du“),
- geben Frauen die Schuld für ihre Situation („Weil Du auf Deine Frau gehört hast“)
- und ziehen sich misstrauisch und überfordert zurück (damit Frauen sich nach Männern sehnen können, müssen die abwesend sein).
Was ist Sünde, was Teil der guten Schöpfung?
Je nachdem, ob etwas als Teil der guten Schöpfung gilt, die der Gott, der die Liebe ist, sich ausgedacht hat – oder als Teil der „gefallenen“ Welt, also als Sünde, muss sich etwas ändern – oder auch nicht.
Ich sehe sowohl als Feministin als auch als Christin die dringende Notwendigkeit, dass die Welt sich in Bezug auf das Verhältnis von Männern und Frauen verändert. Denn dass Frauen – und aus intersektional-feministischer Perspektive auch andere Menschengruppen – nur bedingt eine würdevolle Behandlung erleben, kann ich nicht als Teil der guten Schöpfung ansehen. Es ist Sünde – voll vorbei am Ziel.
Es muss sich was ändern
Ich sage also als Christin und ja, auch als Feministin: Wir alle tragen dazu bei, dass die Welt ist und bleibt, wie sie ist. Wir tun das mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger absichtlich. Doch mich beschäftigt je länger desto mehr die Frage: Wer kümmert sich denn um Veränderung? Oder besser gefragt: Wer kümmert sich WIE um Veränderung?
Zwei kurze Gedanken dazu, die ich vielleicht an anderer Stelle noch mal ausführen werde:
- Wer glaubt, dass es beim Thema Sünde vorrangig um das Verhältnis von Menschen und Gott und um bestimmte Taten geht, wird blind für die strukturellen Folgen von Fehlverhalten. In Kombination mit der Überzeugung, dass die gefallene Welt sich nicht ändern wird, legen Menschen dann mit der Bitte um Vergebung von Schuld zu oft auch die Verantwortung für strukturelle Veränderung ab. Sie verdecken und verschweigen Konsequenzen aus Fehlverhalten, weil sie ja durch Vergebung jetzt kein Thema mehr sein dürfen.
- Nur der oder die kümmert sich, der oder die überzeugt ist: „Es ist meine Verantwortung, etwas zu ändern – und ich bin dazu in der Lage.“ Ich bin überzeugt: Es ist Teil unserer Würde als Menschen, dass wir uns verändern können. Wir sind nicht durch die Natur auf bestimmte Merkmale festgelegt.
In keiner anderen Staatsform können wir so viel Einfluss auf Strukturen nehmen, wie das in einem demokratischen Rechtsstaat wie hier in Deutschland möglich ist. Mit Versammlungen, Demonstrationen, in Veranstaltungen und auch Streiks können wir unsere Anliegen und Perspektiven sichtbar machen. Und ja: Wir erzeugen damit auch Druck, um Veränderung zu bewirken. Umgangssprachlich sagen wir dazu: Für etwas kämpfen.
Als Christin auf Demos gehen? Das hab ich erst lernen müssen.
Plakativ gesagt könnte man die politische Haltung, die ich gelernt habe, beschreiben mit: Jesus ist nie auf eine Demo gegangen, Jesus hat das politische System seiner Zeit nicht verändern wollen.
Wer historisch bewandert ist, sagt: Es gab ja damals auch keine Demonstrationen. Und es stimmt: Demos als legitimes Mittel, das Regierende dem Volk einräumen, damit es sich Gehör verschaffen kann, gab es nicht. Jesus konnte deshalb nicht zu einer Demo gehen. Allerdings berichtet die Bibel von einer Situation, in der es so etwas wie eine Demo gab, eine Art direkten und unmittelbar umgesetzten Volksentscheid sogar: Dabei ging es um Jesus und die Menge forderte seine Kreuzigung.
Das Demonstrations- und Streik-Recht in unserer Demokratie bedeutet: Wir zeigen, was uns wichtig ist und machen darauf aufmerksam. Ja, das macht allen anderen Mühe. In gewisser Weise ist das aber genau der Punkt bei einer Demo und einem Streik: Veränderung macht Mühe – aber der aktuelle Zustand bedeutet eben auch Mühe.
Warum und wie wir kämpfen sollen – als Christinnen und Feministinnen
Den Begriff „kämpfen“ höre und lese ich als Christin häufig. Die Bibel ist voll mit Kampfmetaphern rund um den Glauben. Besonders beliebt: Die Waffenrüstung Gottes. Wenn es aber um den feministischen Kampftag geht, lehnen und wehren viele intuitiv den Begriff „kämpfen“ ab. Das ziemt sich nicht für Frauen und was soll dieses Gegeneinander von Männern und Frauen eigentlich?
Ob Kämpfen als etwas Gutes gilt, hängt also vom Kontext ab. Wenn es als Metapher gebraucht wird, die etwas deutlich machen soll, darf es nicht als tatsächliches Kämpfen missverstanden werden. Das Schöne an der geistlichen Waffenrüstung, die in Epheser 6 beschieben wird, ist:
1. Sie spricht ganz explizit davon, dass sie sich nicht gegen Menschen richtet und
2. Sie besteht vor allem aus Verteidigungs„waffen“!
Und wenn ich sie mir anschaue, dann entdecke ich im Feminismus der letzten Jahre Beispiele für die genannten Waffen. Ich entdecke so etwas wie einen „Brustpanzer der Gerechtigkeit“, einen „Helm des Heils“, einen „Gürtel der Wahrheit“ oder die „Schuhe der Bereitschaft, Frieden zu verkünden“.

Schütze Dein Herz – die Scham muss die Seiten wechseln
Ich lese immer häufiger von Frauen, die mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit kämpfen. Er schützt das Herz – und oh, unser Herz als Frauen braucht Schutz. In Sprüche 4,23 heißt es, dass wir unser Herz mehr behüten sollen als alles andere, weil von ihm das Leben ausgeht. Was schützt unser Herz? Gerechtigkeit! Etwas, das Betroffene z.B. von sexualisierter Gewalt oft nicht erleben – weder in Form von Gerichtsurteilen noch in Form von Anerkennung ihres Leids.
„Die Scham muss die Seiten wechseln“, sagte Gisèle Pelicot, die 73jährige Überlebende von sexualisierter Gewalt. Das ist der Brustpanzer der Gerechtigkeit: Sie spürte Scham und Angst. Aber hielt sich daran fest, dass nicht sie im Unrecht war, sondern die Männer, die ihr das angetan hatten. Ohne Gisèle Pelicot vereinnahmen zu wollen – Von ihr können wir lernen, was 1. Johannes 3,19-20 bedeutet. Wir bringen unser Herz zur Ruhe, weil wir darauf vertrauen, dass nicht unsere Gefühle über uns entscheiden. Nicht Schuld und Scham definieren unsere Identität, auch nicht Rachedurst oder Ängste, sondern unsere Würde. Und so sorgen wir für die (Wieder-)Herstellung von Gerechtigkeit.
Schütze Deinen Verstand – Bildung ist Frauenrecht
Bildung ermöglicht es Frauen, ihren Kopf und Verstand mit dem Helm des Heils zu schützen, mit Erkenntnis über das Gute und Böse. In manchen christlichen Kreisen mag man darauf reflexhaft entgegnen, dass Evas Griff zur verbotenen Frucht mit dem Wunsch nach Erkenntnis verbunden war. Und einige Stellen im Neuen Testament schränken scheinbar das Lernen und Lehren von Frauen ein. Doch gerade an dieser Stelle greift der Helm des Heils. Wir wissen, dass es Frauen waren, die die gute Botschaft der Auferstehung Jesu als erste verkündet haben. Und dieses Wissen schützt uns davor, die Lüge zu glauben, dass Frauen im Reich Gottes nichts tu sagen hätten.

Wir wissen, dass unser Heil, unsere Rettung nicht allein im Verstand und in der Erkenntnis besteht. Wir wissen durch gute Bildung zwar vieles darüber, wie die Welt funktioniert – aber je mehr wir lernen, umso mehr erkennen wir auch, dass unser Wissen sehr begrenzt ist.
Feministische Perspektiven und weibliche Stimmen haben in der Wissenschaft ergänzt, dass Intuition und Emotionen viel entscheidender sind, als in einer zuvor männerdominierten, von dem Anspruch absoluter ratio bestimmten Welt angenommen wurde. Gebildete und über ihren Körper informierte Frauen können nicht so leicht manipuliert werden. Genau aus diesem Grund wird vielen Mädchen und Frauen der Zugang zu Bildung verwehrt. Insbesondere frühe und häufige Mutterschaft wird dazu missbraucht, Mädchen und Frauen in Abhängigkeiten zu halten.
Es ist die Verantwortung von uns privilegierten Menschen, für das Recht auf Bildung für alle Frauen einzutreten.
Schütze Deine Freiheit – Wahrheit ermöglicht Bewegung
Der Gürtel diente dem antiken Soldaten dazu, sein Gewand hochzubinden und Bewegungsfreiheit für die Beine zu haben. Der Gürtel der Wahrheit gibt Bewegungsfreiheit! Was für ein Bild. Frauen treten für die Wahrheit ein. Der Feminismus ist der Kampf darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt über die ungerechte Ungleichbehandlung von Frauen im Vergleich zu Männern. Und dabei geht es nicht um einen Angriff, sondern am Ende um Bewegungsfreiheit: Dass Frauen nicht länger durch so basic Sachen wie Kleidungsvorschriften oder so subtile Dinge wie frauen-, kinder- und familienfeindliche Gesellschaftsstrukturen daran gehindert werden, sich für das einzusetzen, was ihnen wichtig ist.
Ich sehe, wie die zunehmende Freiheit von Frauen manchen Männern Angst macht. Manche Männer ziehen sich zurück und räumen das Feld. Andere greifen zu verbaler und psychischer, aber auch körperlicher und sexualisierter Gewalt, um Frauen klein zu halten. Manchmal spielen dabei auch Gürtel eine Rolle: sie werden zum Fesseln oder für Schläge verwendet. Und so bitter es ist – manchmal werden sie dabei auch als Gürtel der Wahrheit bezeichnet. Doch Jesus sagt in Johannes 8,32: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ Freiheit bedeutet, beweglich zu sein. Ob etwas tatsächlich Wahrheit ist oder Lüge, lässt sich deshalb gut daran erkennen, ob es Veränderung und Entwicklung ermöglicht.
Schütze Deine Bereitschaft – demonstriere Frieden
Die Schuhe der Bereitschaft, die gute Botschaft des Friedens – also „das Evangelium“ – zu verkünden, bringen Frauen auf die Straße. Wir demonstrieren am 9. März 2026 nicht nur in Märschen, mit Plakaten und Kundgebungen, sondern demonstrieren – zeigen – mit Zusammenkünften, mit Stricken und Tee trinken, mit Gelegenheiten für Gemeinschaft, was wir hoffen. Wir leben diesen Tag, als wäre schon Frieden.

Feministisch zu kämpfen bedeutet, Waffen der Verteidigung anzulegen und sich bewusst zu sein, dass man nicht gegen Menschen kämpft, nicht gegen Männer, wie oft behauptet wird und ja, wie es manchmal auch scheint. Sondern Frauen kämpfen an diesem Tag gegen die „Mächte und Gewalten der Finsternis“, wie es in Epheser 6 heißt. Sie nennen diese Mächte und Gewalten Patriarchat, Kapitalismus, Klassismus, Sexismus, Rassismus, Ableismus und noch so viel mehr ismus. Sie sehen und erleben, wie das alles unser Miteinander vergiftet und Menschenleben zerstört. Im übertragenen Sinn und ganz, ganz real. Und deshalb stehen sie auf und ein für Gemeinschaft und Frieden, für Gerechtigkeit und Solidarität. Für die Würde jedes Menschen – und ganz besonders derer, die nicht selbst dafür kämpfen können.
Wie ich im Feminismus Gottes Handeln entdecke
Wenn ich hier biblische Texte nehme und sie (ausgerechnet!) auf den Feminismus übertrage, will ich damit sagen, dass diese Bewegung den Willen Gottes tut?
Ehrlich gesagt wäre das aus zwei Gründen nicht klug und nicht richtig.
Keine Vereinnahmung, sondern ein Ansporn
Andere Feministinnen würden sich gegen diese Vereinnahmung wehren – und zwar zu Recht. Die allermeisten begründen ihr Kämpfen nicht christlich und viele sprechen sich sogar gegen Formen aus, in denen der christliche Glaube aktuell gelebt wird. Ihre Kritik ist wahr, denn da ist unfassbar viel Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit zu finden in der christlichen Welt. Nein, ich möchte den Feminismus nicht als christlich vereinnahmen, denn das ist er nicht. Zumindest nicht für alle. Aber ich persönlich finde im Feminismus in der Tat vieles von dem wieder, was mich der christliche Glaube gelehrt hat zu tun. Feministisches Handeln ist für mich eine Gelegenheit, in die Tat umzusetzen, von was christliche Gemeinden manchmal nur sprechen und was ich als Gottes Willen ansehe und tun möchte: Das Wahre, Ehrbare, Gerechte (z.B. Philipper 4, 8).
Gottes Gebot ist Liebe, nicht Unterordnung
Außerdem würden sich wohl viele Christ:innen dagegen verwehren, dass es im Feminismus um Dinge geht, die Gottes Gebot und Willen entsprechen. Auch ich bin mit einer Perspektive auf Feministinnen aufgewachsen, die in ihnen eine Bedrohung der christlichen Familie sah, in ihren Forderungen nach mehr Macht und unbegrenzter Selbstbestimmung ein Aufbäumen gegen Gottes Gebot.
Und wenn ich in mein eigenes Herz schaue, dann entdecke ich bei mir durchaus das Bestreben nach Selbstverwirklichung, das in Konkurrenz zu anderen tritt. Ich entdecke Wut auf Männer, Schadenfreude und Gehässigkeit, wenn sie sich der Last der Mental Load stellen und davon überfordert sind. Und natürlich entdecke ich das nicht nur bei mir, sondern auch in den Worten von Feministinnen.
Liebe zur Menschlichkeit
Und ich möchte sagen: Wie sollte das alles auch nicht da sein? Feminismus ist keine heilige Bewegung und Feministinnen sind sich nicht in allem einig. Sie wollen das auch gar nicht – über ihnen steht nicht „An der Liebe untereinander wird man euch erkennen!“ Es gibt erbitterte Kämpfe zwischen verschiedenen Richtungen und von Feministinnen gegenüber Männern und Frauen, die nicht ihrer Meinung sind. Ja, das alles gibt es. So, wie in der Kirche. Und in freien Kirchen natürlich auch.

Denn darin sind wir uns doch alle gleich: Wir sind Menschen! Niemand von uns lebt vollständig nach so etwas wie Gottes Willen und Gebot. Aber über christlicher Gemeinschaft steht der Anspruch „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“ Ein Anspruch, der manchmal zum Druckmittel der Unterordnung wird.
Und manchmal finde ich es deshalb angenehmer, mit Menschen zu tun zu haben, denen wumpe ist, ob irgendein Gott von ihnen will, dass sie freundlich zu anderen sind und einfach Rücksicht leben, als mit Menschen, die von Liebe zum Nächsten, zu Christus und sogar für Feinde reden, aber am Sonntag pikiert sind, wenn jemand auf ihrem Platz im Gottesdienst sitzt.
Kämpft den guten Kampf – an der Seite von Mädchen und Frauen am feministischen Kampftag und beim globalen Frauenstreik
Ist das plakativ und provokant bis angreifend? Ja. Und das darf es. Nicht nur, weil feministischer Kampftag ist und ich Feministin bin, sondern weil der feministische Kampftag ein Sonntag ist und ich Christin bin, die das Schwert des Geistes als Teil der Waffenrüstung trägt. Sonntag, Zeit für das Wort Gottes. Das Wort Gottes bewirkt, was es beabsichtigt, es kehrt nicht leer zurück (Jesaja 55,11). Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und ist ein Richter von Gedanken und Gesinnungen (Hebräer 4,12). Dabei bleibt es nicht aus, dass es mit seiner Spitze wunde Punkte trifft oder dass Worte an Wände geschrieben werden und offenbaren, was ist (vgl. Daniel 5). Möge das, was von unseren Worten und Taten gewogen wird, nicht für zu leicht befunden werden, als gehaltlos, sondern als gewichtig und bedeutsam.
Der Umgang mit Frauen ist ein Lackmustest dafür, wie ernst es uns mit der Nachfolge im Alltag ist. Ob wir als Gesellschaft die Würde von Mädchen und Frauen achten, zeigt sich daran, ob wir in ihnen schutzbedürftige Opfer sehen oder sie zu solchen machen, oder ob wir sie und uns für den Kampf gegen zerstörerische Mächte und Gewalten gut ausrüsten und mit ihnen gemeinsam kämpfen. Und das heißt: Demonstrieren. Für die Rechte von Frauen und Mädchen auf die Straße gehen – und zeigen, wie das mit dem Frieden geht. Das geht nicht nur jedes Jahr am feministischen Kampftag, sondern wird im Alltag richtig praktisch.
Lass uns die geistlichen Waffen aufnehmen und sie für die Würde von Frauen einsetzen!
zuletzt geändert am:


Liebe Steffi, you name it! Ich bin sehr bewegt von deinem Text und hoffe, dass es vielen anderen auch so geht.
Danke! Ja, ich hoffe das auch!
Danke dir, liebe Steffi, für die Gedankenanstöße!
Danke, liebe Lydia, für Deinen Kommentar! Ich wünsche Dir gutes Weiterdenken mit den Anstößen 🙂
Liebe Stephanie,
ich möchte an dieser Stelle gerne inhaltlich auf Deinen Artikel eingehen. Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, bieten diese Haltungsartikel eine Möglichkeit für Meinungsaustausch. Ich möchte deshalb gleich dazuschreiben, dass mein Kommentar meine Meinung und aktuelles Verständnis ist und ich jeden Tag weiterlerne.
Ich sehe Ordnung und Strukturen nicht als rein aus dem Sündenfall entstanden und damit irgendwie „eigentlich nicht existent oder nötig“. Vielmehr sind sie von Gott eingesetzt, gerade weil der Sündenfall die Menschen von der ursprünglichen Schöpfungsordnung entfernt hat. Die hierarchische Ordnung, die Gott Adam und Eva beim Sündenfall gegeben hat, sollte helfen, ein friedvolles Zusammenleben zu ermöglichen. Strukturen an sich sind neutral. Ich sehe, dass Probleme erst entstehen, wenn Menschen sie missbrauchen und jemand unterdrückt oder anderweitig benachteiligt wird. Dies wurde im Laufe der Geschichte mehr als deutlich, da gerade dieser Text vom Sündenfall von männlichen Führungspersonen als Beleg benutzt wurde, um ihre Überlegenheit und Unterdrückung von Frauen zu rechtfertigen. Im Gesamtkontext der Bibel ist diese Argumentation aber nicht haltbar.
Die Bibel differenziert auch sehr deutlich, wie Herrschaft zu verstehen ist: Herrschen bedeutet dienen, nicht unterdrücken. Jesus kam nicht, um irdische Strukturen aufzubrechen – sie sind Teil dieser Welt, spiegeln Satans Einfluss und dienen in der Praxis leider oft der Unterdrückung. Jesu Ziel war vielmehr, das Innere der Menschen zu verändern, sie wieder in die Geschöpf-Identität zu bringen und in die ursprüngliche Schöpfungsordnung zurückzuführen. Daraus entsteht wahre Freiheit: frei von Sünde und vom Denken „Ich bin Gott“.
Die Konflikte zwischen Menschen ergeben sich aus der veränderten Identität nach dem Sündenfall: Alle Menschen tragen diese falsche Selbstwahrnehmung in sich, geerbt von Adam, und streben nach Macht und Herrschaft. Jesu Wirken besteht darin, uns davon zurückzuholen, unsere Beziehung zu Gott wiederherzustellen und die Grundlage für ein Leben in Gnade, Vergebung und Wahrheit zu legen. Nach der Bekehrung beginnt ein Prozess der Heiligung: Falsches abzulegen, Gutes zu entwickeln und Schritt für Schritt die ursprünglich von Gott gegebene Ordnung wieder einzunehmen. Dieses Ziel („eure Heiligung“) ist weiter und größer als „nur“ Strukturen aufzubrechen. Aber: Strukturen werden aufbrechen, als Teil dieses Prozesses.
Dein Artikel vermittelt wichtige Impulse: Die innere Veränderung ist entscheidend, nicht das bloße Aufbrechen äußerer Strukturen. Vergebung, Gnade und Verantwortung für Wahrheit spielen dabei eine zentrale Rolle, und die biblische Perspektive zeigt, dass wahre Veränderung im Menschen (aber durch Gott und die Bekehrung) beginnt – nicht im System. Denn auch hier ist die Bibel deutlich: Durch den Sündenfall ist der Mensch verdorben und erst durch die rettende Kraft in Christus ist eine Neuschöpfung möglich und damit Veränderung.
Ich möchte Dir zuletzt einen Link mitgeben, der in meinen Augen das Thema gut beleuchtet. Hier nur ein kleiner Teaser: LINK GELÖSCHT
Mittlerweile finde ich sehr viele dieser Videos sehr gut, aber ich kann ja nicht alle verlinken 🙂
Liebe Grüße Mara
Liebe Mara,
danke, dass Du Dir nicht nur fürs Lesen von meinem Text Zeit genommen hast, sondern auch für einen langen Kommentar.
Zunächst aus Transparenz der Hinweis: Ich habe beim Freigeben des Kommentars den Video-Link gelöscht, den Du angegeben hast. Ich konnte keinen Anknüpfungspunkt zu meinem Artikel finden und muss zugeben, ich verstehe nicht so ganz, warum es in Deinen Augen „das Thema“ gut beleuchtet. In meinem Artikel ging es ja um Feminismus und nicht um die Frage, warum Menschen einen Erlöser brauchen.
Es fiel mir aber ehrlicherweise auch sonst mit Deinen Gedanken schwer, sie in einen Zusammenhang mit meinem Text zu bringen. In meinem Text geht es ja auch eigentlich weniger um Strukturen (und dass sie „eigentlich nicht existent oder nötig“ sind, schreibe ich nirgends), sondern um Beziehungen. Inwiefern „Du wirst Dich nach Deinem Mann sehnen, er aber wird Dein Herr sein“ eine Hilfe für friedvolles Zusammenleben darstellen soll, erschließt sich mir auch nicht richtig. Klassischerweise wird das ja auch als Fluch bezeichnet, nicht als Rettung.
Rettung kommt durch Jesus, ja. Aber sie ist in der Regel nicht nur eine innere Veränderung (siehe die Wundergeschichten oder wie er mit der Frau umgeht, die wegen Ehebruch gesteinigt werden soll). Gerade Jesus weist auch darauf hin, dass nicht die automatisch gerettet sind, die ihn „Herr, Herr“ nennen, sondern diejenigen, die einem seiner geringsten Geschwister Gutes tun. Selbst dann, wenn sie es gar nicht für Jesus getan haben (vgl. Matthäus 25). Gedanklich habe ich auch daran angeknüpft, als ich in meinem Text beschrieben habe, was ich im Feminismus beobachte – nämlich sehr viel Liebe. Nicht bei allem, was sich feministisch nennt, aber bei vielem.
Ich hoffe, diese zusätzlichen Gedanken machen noch mal klarer, was ich in meinem Text sagen wollte?
Liebe Grüße
Steffi