Akut vom Aussterben bedroht: Nur noch wenige Exemplare der beliebten Eierlegenden Wollmilchsau

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Die Eierlegende Wollmilchsau ist akut vom Aussterben bedroht. Dank freundlicher Genehmigung darf ich über ein bisher unveröffentlichtes Forschungsprojekt berichten, das zu diesem Ergebnis kommt.

Forscherinnen und Forscher an theologischen Hochschulen beschäftigen sich seit einiger Zeit mit der Frage, wieso viele Gemeinden aktuell so händeringend nach Mitarbeitenden suchen. Egal, ob Haupt- oder Ehrenamt: Es gibt nie genug Man- oder Womanpower für die vielen Aufgaben im Gemeindealltag. Das fällt vor allem deshalb auf, weil Ältere in der Gemeinde von Zeiten berichten, in denen das anders war. Lange gingen Verantwortliche davon aus, dass die gesellschaftlichen Veränderungen insbesondere im Familienleben das Problem seien. Nun scheint es jedoch endlich bei der Erforschung der Ursachen einen echten Durchbruch zu geben. Das Institut für Sustainable Church Health (Nachhaltige Gemeinde-Gesundheit) an der FBHH (Freien Bibel-Hochschule Hessen) konnte nachweisen, dass der Bestand der eierlegenden Wollmilchsau in den letzten Jahren dramatisch gesunken ist. Diese wertvolle Ressource und beliebte Mitarbeiter-Art ist demnach akut vom Aussterben bedroht.

Was sind eierlegende Wollmilchsäue?

Die besonderen Eigenschaften der eierlegenden Wollmilchsau spiegeln sich in ihrem Namen wider:

  • Sie legen Eier, d.h. sie sorgen für Nachwuchs.
  • Sie geben Wolle, d.h. sorgen für Wärme und Gemeinschaft.
  • Sie geben Milch, d.h. versorgen den Nachwuchs mit allen wichtigen Nährstoffen für gesundes Wachstum.
  • Sie werden zu Hackfleisch verarbeitet, d.h. geben sich selbst auf, damit andere durch sie stark und kräftig werden.

Auch wenn sie etwas martialisch klingt: Insbesondere die letzte Eigenschaft weist darauf hin, dass eierlegende Wollmilchsäue als lebendige Opfer wahrhaft christlich und demütig sind.

Eine Forscherin versucht anhand von Bildmaterial festzustellen, ob es sich bei dem untersuchten Lebewesen um eine eierlegende Wollmilchsau handelt

Empirisch bestätigt: Es hat sie wirklich gegeben!

Skeptikerinnen und Skeptiker der Arbeit des Forschungsinstituts stellten immer wieder in Frage, ob es überhaupt jemals eierlegende Wollmilchsäue gegeben habe. Die empirischen Untersuchungen haben nun Beweise dafür zutage gefördert! Früher fanden demnach quasi wöchentliche Angebote für Frauen, Kinder, Seniorinnen und Senioren, Jugendliche und junge Erwachsene statt – natürlich parallel zum sonntäglichen Gottesdienst, den jährlichen Evangelisationen und Gemeindefreizeiten. Die befragten Gemeinden berichteten von Chorangeboten (Kinderchor, Frauenchor, Posaunenchor), von Kreativ-Angeboten und auch vom selbstverständlichen Putzdienst im Gemeindehaus. Auffällig in den Beschreibungen verschiedener Gemeindemitglieder: Immer wurden dieselben Personen erwähnt. Die vielfältigen Tätigkeiten, die sie übernahmen, lassen sie eindeutig als eierlegende Wollmilchsäue identifizieren. Es konnten daraufhin sogar Gespräche mit eierlegenden Wollmilchsäuen geführt werden. Das Forscherteam musste dafür jedoch zunächst die Sprache in den Berichten decodieren. Häufig wurde die Zugehörigkeit der Personen zur besonderen Art der Eierlegenden Wollmilchsau nämlich mit Bezeichnungen wie „Bauer Müller“ oder „Tante Gerda“ verschleiert.

Der Nachbar und die Tante

Historische Analysen sprechen deshalb von den beiden Typen „der Nachbar“ und „die Tante“.

Der Nachbar ist die Urform der eierlegenden Wollmilchsau, respektvoll mit seinem Beruf und Nachnamen beschrieben: „Metzger Schmidt“ oder „Bauer Müller“ z.B. Der Nachbar kümmerte sich neben seiner Erwerbsarbeit noch um seinen Selbstversorgergarten, konnte Autos und Traktoren reparieren, war mit seinem Wissen und Können auf Baustellen gern gesehen, hielt Predigten und besuchte die Bibelstunde, dirigierte den Chor und war in der Jungschar verantwortlich für die Disziplin. Außerdem kassierte er die Kirchensteuer ein und verbuchte sie ordnungsgemäß.

Die Tante ist das weibliche Pendant, immer familiär nah als „Tante“ und liebevoll mit ihrem Vornamen angeredet: „Tante Gerda“, „Tante Lise“. Sie hielt den Kindergottesdienst, war die beste und verlässlichste Kuchenbäckerin (sie brachte immer mindestens 4 verschiedene mit, damit es eine Auswahl gab), zupfte beim Putzdienst stillschweigend „noch eben“ das Unkraut in den Beeten, war im Gebetskreis, der Bibelstunde und im Besuchsdienst aktiv. Durch ihren zusätzlich gespendeten Zehnten konnten arme Kinder kostenlos an Ferienfreizeiten teilnehmen.

Eierlegende Wollmilchsäue sind selten im Rudel anzutreffen, sondern oft als Einzelgänger in einem Gebiet unterwegs. Eierlegende Wollmilchsäue müssen sich nicht anstrengen, um gleichzeitig Eier zu legen, Wolle und Milch zu produzieren und sich ohne Murren und ohne Pause im Dienst hinzugeben. Sich aufzuopfern entspricht ihrer Natur.

Die Bedeutung der eierlegenden Wollmilchsau für die Expansion der Gemeindearbeit

Es ist kaum zu unterschätzen, wie eierlegende Wollmilchsäue zu der Fülle an Gemeindeangeboten beigetragen haben – und wie ihr Aussterben nun Schuld daran ist, dass auch Gemeinden zu sterben drohen.

Euria, die vom Forschungsinstitut verwendete Künstliche Intelligenz, macht drei Dinge für das Aussterben verantwortlich:

  1. Spezialisierung: Die Überzeugung, Personen würden nur über Begabungen in einzelnen Bereichen verfügen und diese müsste man ausbauen.
  2. Work-Life-Balance: Ein Begriff, den die eierlegende Wollmilchsau nicht kannte. Sie arbeitete 25/8.“
  3. Individuelle Grenzen: Das moderne Nein-Sagen hat den Genpool vergiftet.“

Als Expertin für den Bereich Familie und Gemeinde würde ich drei weitere Punkte ergänzen:

  1. Die Idealisierung von Gemeinde als funktionierende Organisation hat die kreativen, initiativen und freiheitsliebenden Wesen der Art „Eierlegende Wollmilchsau“ in ein immer engeres Korsett gesperrt. Das entspricht nicht ihrer natürlichen Lebensweise.
  2. Die durch den Feminismus angestoßene Care-Debatte hat den Wert von Fürsorge so deutlich gemacht, dass viele Gemeinden glauben, sich eierlegende Wollmilchsäue schlicht nicht mehr leisten zu können.
  3. Wer scheinbar alles kann, wird verdächtig. Eierlegenden Wollmilchsäuen sind deshalb wichtige Nahrungsmittel vorenthalten worden bzw. sie wurden durch schädliche und verlangsamende Fette ersetzt: Skepsis statt Anerkennung, „Mach Dich nicht zu wichtig“ statt „Gut, dass wir Dich haben“, „Pass auf Dich auf“ statt „Ich hätte noch eine Aufgabe für Dich“.

Aus Mangel an wertgeschätzten Betätigungsfeldern ist meiner Einschätzung nach eine große Anzahl an Exemplaren über die letzten Jahre auch an Depression und Burn-out eingegangen oder hat die Gemeinde-Welt in Richtung Business verlassen.

Unter Druck entwickeln Mitarbeitende sich manchmal in eierlegende Wollmilchsäue

Neu aufgelegtes Artenschutz-Programm (BAML-gefördert) zur Erhaltung der eierlegenden Wollmilchsau

Das Bundesamt für Artenschutz und minimierte Lebensbedingungen plant ein Programm aufzulegen, um den Lebensraum für Eierlegende Wollmilchsäue zu erhalten. Dafür fehlen jedoch noch weitere Daten. Insbesondere muss noch erforscht werden, wie diese besondere Art sich fortpflanzt – das ist bisher ein großes Geheimnis. Es scheint, als würden sich bestimmte Mitarbeitende über die Zeit zu Eierlegenden Wollmilchsäuen quasi evolutionär weiterentwickeln, wenn sie gebraucht werden. Eine Maßnahme, die voraussichtlich in jeder Gemeinde sofort greift und deshalb im Forschungsbericht des FBHH präventiv empfohlen wird, lautet: Den moralischen Druck erhöhen!

„Wer Anlagen der Eierlegenden Wollmilchsau in sich trägt, reagiert sehr sensibel auf jede Form von moralischem Druck. Sprechen Sie häufiger davon, dass ein Angebot nicht stattfinden kann, wenn sich niemand findet. Drücken Sie unbedingt aus, dass das für Sie okay wäre – und schauen Sie dabei traurig. Aber seien Sie möglichst authentisch – Eierlegende Wollmilchsäue reagieren mit Arbeitsverweigerung und stimmen mit den Füßen ab, wenn sie das Gefühl haben, sie werden ausgetrickst.“ Zwar ist es deshalb riskant, den Druck zu erhöhen, doch sehen die Forschenden hier bisher den einzigen Ansatzpunkt.

Expertin erklärt: Ein Grund zur Sorge!

Als selbsternannte Expertin für das Thema Familie und Gemeinde erkläre ich: Diese Forschungsergebnisse sind ein Grund zur Sorge – aber nicht so, wie der Artikel es bis hierher erklärt hat.

Kurz durchatmen:

  • Es gibt natürlich kein BAML (auch wenn BAMMEL vielen Gemeinden durchaus vertraut ist),
  • ein Institut für Sustainable Church Health ist mir zumindest nicht bekannt (auch wenn es vielleicht eine gute Idee wäre, eins zu gründen)
  • und Bauer Müller und Tante Gerda gibt es zwar sicher irgendwo und sie sind sicher natürliche Wunderwesen!

Mit Blick auf das heutige Datum erklärt sich aber: Dieser Artikel ist nur ein Aprilscherz!

Aber wie jeder gute Scherz enthält auch dieser ein Körnchen Wahrheit oder zwei! Vielleicht auch drei?

  1. „Eierlegende Wollmilchsau“ ist schon immer eine zynische Anspielung auf überhöhte Erwartungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewesen. Es hat sie aber gegeben und gibt sie auch immer noch: Die Mitarbeitenden, die scheinbar alles können und gerne tun, deren Energievorrat riesig ist. Aber immer weniger Menschen wollen sich für eine Gemeindearbeit aufopfern, die aus der Zeit gefallen ist. Wer über viele Fähigkeiten verfügt, ist oft ein Pionier. Einengende Strukturen und fehlende Veränderungsbereitschaft rauben ihnen die Kraft.
  2. Gemeinden suchen händeringend nach Mitarbeitenden – und nicht wenige gehen davon aus, dass man nur „die richtigen“ finden müsste. Die sprichwörtliche Eierlegende Wollmilchsau ist vielleicht ein Hinweis darauf, was unsere Vorfahren nicht nur bei der Ernährung, sondern auch in der Gemeinde anders machten: Vorratshaltung und geteilte Verantwortung statt Ausbeutung einer eierlegenden Wollmilchsau.
  3. Es braucht in jeder Gemeinde Menschen, die fürsorglich sind, also für Nachwuchs, Wärme und Gemeinschaft und die Versorgung zuständig sind. Aber weil diese Tätigkeiten in den Bereich der Care-Arbeit fallen, müssen wir uns mit der heißen Debatte rund um dieses Thema beschäftigen.
Welche Beobachtungen hast Du in Bezug auf Eierlegende Wollmilchsäue gemacht? Teile sie gerne in den Kommentaren!

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