Bei uns in Hessen enden nach dem nächsten Wochenende die Sommerferien. Und ich (Steffi) dachte mir so: Jetzt beginnt der Stress für viele Familien! Rückkehr in den Alltag heißt, der Sommer ist vorbei.

Der Sommer und ein Kindheitsideal

Für viele Menschen klingt das Wort „Sommer“ nach Ferien, barfuß laufen, unterwegs auf Reisen sein und Abenteuer erleben. Es  schmeckt nach Freiheit und riecht nach frisch gemähtem Gras (oder vielmehr nach Heu?) und lässt Gefühle aufkommen wie Leichtigkeit, Glück, Gelassenheit, Neugier und Entdeckerfreude.

So sollten Ferien sein und sich anfühlen, oder? Wie Ferien auf Saltkrokan oder das Aufwachsen in Bullerbü. So wie ein großer Teil meiner Ferien-Erinnerungen ist. Meiner KINDHEITSerinnerungen.

Aber Hannah erinnert mich dann immer wieder: Für Eltern sind Ferien – und ganz besonders die langen Sommerferien – oft genauso sehr wie der Alltag mit Stress und Chaos verbunden. „Man muss es nüchtern betrachten, Urlaub mit Kindern ist eigentlich kein Urlaub“, heißt es vielleicht. Wenn alle Familienmitglieder zuhause sind, den ganzen Tag miteinander verbringen und alle Bedürfnisse und Wünsche unter einen Hut gebracht werden müssen, Essen und Sauberkeit genauso organisiert werden müssen wie im Alltag, wenn sich vor der Reise und nach der Reise Wäscheberge türmen, ist man vielleicht froh und dankbar, wenn Schule und Kita wieder beginnen und der Alltag wieder da ist. Die ersehnte, benötigte und mit dem Sommer-Ideal verbundene Erholung ist vielleicht nicht eingetreten.

 

Das Ende vom Sommer ist der Alltag.

Und ob das jetzt etwas Gutes oder Schlechtes ist, ist auch wieder sehr unterschiedlich! 

Für die einen ist die Routine und Gleichmäßigkeit des Alltags eine Entlastung, gibt Struktur und (eine gewisse) Planbarkeit mitten in den Unplanbarkeiten des Lebens. 

Für die anderen ist „Alltag“ gleichbedeutend mit Anforderungen, Heraus- und Überforderung, mit Stress durch Termine, To Dos und Bedürfnisse, mit diesem Gefühl von Hamsterrad und Fremdbestimmung. 

 

Oder vielleicht ist es in Wirklichkeit so, dass für fast alle Menschen beides gleichzeitig gilt: Der Alltag gibt Klarheit, aber ist auch ein Leben im Dauerstress von Care-Arbeit, Lohn-Arbeit und Beziehungsarbeit. Und dann haben wir noch gar nicht über Krisen und Krankheiten gesprochen, über Politik und Geld, über Vergleichen und Karriere, über Bedürfnisorientierung und Prägung und all die anderen Themen, die das Familienleben im Jahr 2023 zu einer echten Herausforderung machen.

Gar nicht zu sprechen vom Bildungs- und Betreuungssystem – und damit wieder bei den Ferien als Ausnahme vom Alltag. Auch für die Kinder! Für manche Kinder sind Schule und Kita genau das richtige Maß an Anregung und Input und der Alltag notwendig als Ausgleich, damit sie sich nicht langweilen. Für die anderen sind Klassen- und Gruppengrößen, Lern- und Betreuungskonzepte und andere Faktoren ein echter Schritt aus der Komfortzone oder sogar eine heillose Überforderung. Für die einen sind die Sommerferien Unterforderung und Langeweile pur, für die anderen die Freiheit, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Und dann ist es ja auch noch tagesform- und uhrzeitabhängig, ob man zu der einen oder zu der anderen Gruppe von Menschen gehört oder ob für einen noch was anderes gilt, ganz zu schweigen davon, dass die Gefühle der verschiedenen Familienmitglieder zum selben Zeitpunkt ganz unterschiedliche sein können. Die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Bedürfnisse und Perspektiven bringt weitere Dynamik in die Ferien, in den Sommer und sein Ende.

 

Was hast Du im Blick?

Beides, Ferien und Alltag, Sommer und das Ende des Sommers, bringen sowohl Herausforderungen und Belastungen mit sich als auch Anregung und Freiheit. Beides hat sein Gutes, beides ist auch anstrengend. In unserem Newsletter haben wir einen Mini-Einblick in unseren Sommer gegeben und wie man unsere Erlebnisse bewerten könnte. Entscheidend für unser Gefühl ist, auf was wir schauen und was wir über das erzählen, was wir sehen. Denn das Sehen und das Reden beeinflussen uns, unsere Stimmung und die Atmosphäre um uns herum gewaltig!

Dass das ganz besonders im Leben einer Familie gilt, lehrt uns die Sozialisationstheorie und steckt im Satz „Unser Alltag ist ihre Kindheit.“ Der wahr ist, aber auch ganz schön Druck macht. Schon wieder etwas im Blick, das nicht gut tut. Mannomann.

Aber was tut denn gut? Wohin sollen wir denn schauen? Und sollen wir alles Schwierige und Herausfordernde ignorieren?

Auf keinen Fall. Aber:

 

Dankbarkeit tut gut.

Wer dankbar ist, fokussiert sich auf gute Absichten und gute Wirkungen, sieht Schönheit, erlebt Freude und Verbundenheit. Und das alles tut der Seele gut! Schönreden, oder „Toxic Positivity“, wie das manchmal in den Sozialen Medien genannt wird, tut der Seele NICHT gut. Schönreden wurzelt in der Unfähigkeit, Negatives und Unangenehmes, auch Leid, Böses und Schlechtes nicht aushalten zu können. Deshalb braucht es den reflexartigen Versuch, allem etwas Gutes abgewinnen zu wollen oder sofort nach etwas Positivem zu suchen. Aber darum geht es nicht.

Was wir meinen ist Dankbarkeit! Sie legt ein gutes Fundament dafür, sich auch das Schmerzhafte und Belastende anschauen zu können. Sie nimmt das, was gut IST, bewusst wahr – und dadurch steht das Negative plötzlich nicht mehr allein im Raum. Es hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, sich in den Vordergrund zu drängen.

Über Dankbarkeit ließe sich noch vieles sagen. Eine Sache heute noch in diesem Blog-Beitrag:

Dankbarkeit hat eine positive Wirkung.

In meinem Regal steht ein kleines Heft von Yves-Alexandre Thalmann, einem Psychologen, der sich mit Glücksforschung und positiver Psychologie beschäftigt. Es heißt „Das kleine Übungsheft Dankbarkeit“. Darin schreibt der Autor: „Dankbarkeit ist, zusammen mit Großzügigkeit, einer der wirkungsvollsten „Verstärker“ des Glücks.“ Dankbarkeit macht z.B. angenehme Gefühle und kann unsere zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern.
Wer will diese Effekte nicht in seinem Leben haben?

Doch nicht jedem Menschen fällt Dankbarkeit leicht. Sie ist eine Frage von Gewohnheiten und Übung. Aber dazu gibt es eine gute Nachricht: Man kann sich Dinge angewöhnen! Tatsächlich! (Das weiß jede, die täglich Zähne putzt und jeder, der morgens seinen Kaffee trinkt.) Um Gewohnheiten einzuüben, muss man einfach anfangen. In Gemeinschaft geht es außerdem besser – man kann sich gegenseitig erinnern. Und zu sehen und zu hören, wofür andere dankbar sind, tut auch mir gut!

Und deshalb starten wir miteinander die Dankbarkeitschallenge. Und nehmen uns mal 10 Tage lang vor, jeden Tag dankbar zu sein. 

 

Bist Du neugierig, wie das geht? Dann schau mal hier, wie wir Dir helfen können, Dir Dankbarkeit anzugewöhnen und damit ein kleines bisschen mehr Gelassenheit in Deinen Alltag zu holen!

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