Warum Online-Kongresse so beliebt sind – 6 Dinge, die Du wissen musst

Online-Kongresse kommen an und sie sollen verkaufen!

Als ich Online-Kongresse kennengelernt habe, war ich begeistert und bin es noch, denn: Sie kommen an!

Aber es ist auch ganz klar: Wenn Online-Kongresse boomen, also immer wieder angeboten werden, gibt es einen Markt, gibt es eine Nachfrage – und dann sollen sie auch etwas verkaufen.

Warum kommen sie so gut an?

 

  • Man muss für sie nirgends hinfahren,
  • keine Kinder-Betreuung organisieren,
  • nicht einmal etwas bezahlen.
  • Zu fast jedem Thema findet man früher oder später einen Online-Kongress
  • mit einer Fülle an Input
  • und oft einem Line-Up an Expert:innen, das man auf einem Kongress vor Ort selten findet.
Mega!

Kein Wunder, dass dieses Format so gut ankommt. Es kommt halt da an, wo es ankommen soll: bei den Menschen. Bei denen, die sich für dieses Thema interessieren. Außerdem wird dadurch Aufmerksamkeit geschaffen für bestimmte Themen – und auch das ist wertvoll!

 
Mich freut vor allem, dass durch das Online-Format Menschen an einem Kongress teilnehmen können, für die das sonst eher schwierig ist. Mütter bzw. pflegende Personen z.B. oder auch Menschen, deren finanzielle Situationen ihnen keinen Spielraum lässt.
Wie Online-Kongresse verkaufen

Weil Online-Kongresse kostenlos sind

und Anbieter:innen das Thema in den Vordergrund stellen,

merkt man nicht sofort, dass sie vor allem eins sollen: Verkaufen!

Hier sind 6 Dinge, die Du über Online-Kongresse wissen musst.

Was Dir zu Online-Kongressen klar sein muss: Sie sind ein Marketing-Tool!

Online-Kongresse sollen etwas verkaufen. Das merkt man schnell, selbst diejenigen, die sich nicht intensiv mit Online-Businesses beschäftigt haben, durchschauen schnell die Struktur von Online-Kongressen: 
 
-> Die Inhalte stehen für einen begrenzten Zeitraum kostenfrei zur Verfügung,
wer darüber hinaus darauf zugreifen möchte, muss das Kongress-Paket kaufen. 
 
So weit, so gut und irgendwie fair. 
Aber es passiert noch mehr – und auch das ist irgendwie „fair“, weil es Teil von unserer digitalisierten Konsum-Welt ist. Aber es ist oft eher unsichtbar und ich möchte es Dir gerne einmal bewusst machen.

-> Online-Kongresse sind Deals zwischen Speaker:innen und Veranstalter:innen

1. Inhalte im Tausch für die Emailadresse

Online-Kongresse gehören zu den Haupt-Vorschlägen, die Online-Business-Coaches ihren Kund:innen empfehlen. Sie sind effektiv dafür, schnell Reichweite zu gewinnen: bekannt zu werden, mit potentiellen Kund:innen für dieses und weitere Angebote in Kontakt zu kommen und ihre Email-Adressen speichern zu dürfen. So funktioniert unsere Welt, alles fein. Du musst es nur realisieren.

3. Fame im Tausch für Legitimation

Einen Online-Kongress veranstalten kann jede:r. Es geht nämlich nicht um die Veranstalter:innen, sondern um die Speaker:innen. Sie sind die Attraktion der Online-Kongresse als mehr oder weniger bekannte und fachlich qualifizierte Expert:innen für ein bestimmtes Thema.
Gerade die echten Expert:innen verleihen der Veranstaltung durch ihre Teilnahme Legitimation. Die Veranstalter:innen und die Referent:innen mit weniger Reputation bekommen durch sie einen Namen als Expert:innen für diesen Bereich: „Sie haben auf demselben Kongress mit xy gesprochen!“
Je mehr Speaker:innen und je mehr Teilnehmer:innen und je mehr Stunden Videomaterial mit Expert:innen da ist, umso vertrauenswürdiger scheint der Kongress.

2. Werbung in meiner Community im Tausch für Reichweite

Die Reichweite kommt von den Speaker:innen. Sie laden ihre Community zum Kongress ein und können sich darauf verlassen, dass auch alle anderen Speaker:innen das tun. Dadurch werben alle gegenseitig füreinander und vergrößern gegenseitig die Reichweite. Je mehr Speaker:innen es gibt, umso größer wird die Menge an Menschen, die man erreichen kann. Speaker:innen für einen Online-Kongress zu gewinnen, ist dabei sehr einfach, weil der Aufwand auch für sie gering und der mögliche Profit (finanziell und in Bezug auf die Reichweite) lockt.

-> Online-Kongresse sind mehr Kaffeefahrt als Kongress

4. kostenlose Interviews als Werbeslots für Bezahlprodukte

Auf den ersten Blick scheinen Online-Kongresse kostenlos eine Fülle an Videomaterial von Expert:innen anzubieten. Aber natürlich ist auch Geld verdienen ein Ziel der Veranstalter:innen und Referent:innen. Online-Kongresse sollen eben verkaufen. Wie gesagt: Fair enough! Der Weg dahin ist, den Kongress mit Interviews zu gestalten und in ihnen auf Bezahlprodukte hinzuweisen plus: so viel Inhalt zu produzieren, dass es kaum möglich ist, alles zu konsumieren, so lange es kostenlos ist.

5. Überflutung von Einzelnen mit Material und Ansprüchen

Online-Kongresse sind eine Kombination aus „viele Stunden Expert:innen-Interviews“ und „darin werden jede Menge Angebote gemacht und Lösungen angeboten“. Kongress-Teilnehmer:innen müssen dann für sich allein reflektieren und entscheiden, welche der neuen Gedanken, konkreten Methoden oder weiterführenden (kostenlosen oder bezahlten) Angebote der Referent:innen und Veranstalter:innen sie weiterverfolgen.
In jedem Fall muss man über den Kongress hinaus etwas tun/ändern und meistens auch kaufen, damit sich das Werbeversprechen des Kongresses erfüllt.
Wenn man das nicht macht, ist man – wieder – selbst Schuld an seinem Schmerz.

6. Instrumentalisierung von Schuldgefühlen

Die Werbung für solche Online-Kongresse folgen alle derselben Struktur. Das ist logisch, denn: Wer etwas verkaufen möchte, muss den Schmerzpunkt seiner Zielgruppe ansprechen: All das, was einen dazu bringt, unbedingt Lösungen haben zu wollen. Es wird also Öl ins Feuer gegossen, um dann eine Antwort anbieten zu können. Wenn es um Familie geht, sind das unter anderem Schuldgefühle, weil man niemandem gerecht wird und der Druck groß ist, es dennoch schaffen zu wollen, ja, zu müssen. Die meisten Online-Kongresse nutzen deshalb die Entlastung von Schuldgefühlen als Anreiz. Aber dafür werden die Schuldgefühle vorher erst mal verstärkt. Dahinter steckt schlichte Verkaufspsychologie, diese Gefühle sollen entstehen. Fair enough, Verkaufspsychologie ist ein Teil unserer Wirtschaft.
Gerade die echten Expert:innen verleihen der Veranstaltung durch ihre Teilnahme Legitimation. Die Veranstalter:innen und die Referent:innen mit weniger Reputation bekommen durch sie einen Namen als Expert:innen für diesen Bereich: „Sie haben auf demselben Kongress mit xy gesprochen!“

Je mehr Speaker:innen und je mehr Teilnehmer:innen und je mehr Stunden Videomaterial mit Expert:innen da ist, umso vertrauenswürdiger scheint der Kongress.

Meine Bewertung als potentielle Speakerin:

Weshalb ich teilnehme:

Ich möchte die Möglichkeiten von Online-Kongressen gerne nutzen.
  • Leute, die im Online-Business anfangen, bei ihrem Start unterstützen, indem ich als Expertin für sie Werbung mache.
  • Den Raum annehmen, der mir geboten wird, um meine Angebote und Perspektiven zu verbreiten.
  • Inhalte im Online-Format direkt zu den Menschen bringen, so, dass sie ankommen.
Alles, was ich an Kritik habe, tut den Chancen keinen Abbruch.

Was ich problematisch finde:

Ich weiß gar nicht genau, auf welchen Deal ich mich einlasse, wenn ich als Speakerin bei einem Online-Kongress mitmache. Für wen oder was mache ich denn dann eigentlich genau Werbung? 
Was „verkaufe“ ich also meiner Community und Menschen darüber hinaus durch meine Teilnahme am Online-Kongress?
Leute denken: „Ach guck mal, Steffi ist auch dabei, dann wird das schon was Ordentliches sein.“ Aber das kann ich gar nicht beurteilen! Außer dem Titel des Kongresses und dem Werbetext auf der Landingpage kenne auch ich vorher nur die Namen der Speaker:innen, die schon zugesagt haben. Die meisten davon kenne ich nicht. Und während des Kongresses habe auch ich nicht die Zeit, mir alles anzuschauen. Doch meine Werbung für mein Interview bewirbt letztlich den GANZEN Kongress wie er am Ende sein wird.
 
Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn sich das Thema „Kontaktschuld“ noch weiter verschärft und man von links dafür kritisiert wird, an einem Kongress teilgenommen zu haben, an dem auch Menschen aus dem sehr konservativen bis rechten Spektrum als Speaker:innen dabei waren.
Meine Entscheidung dazu ist im Moment: Ich möchte das riskieren. Denn die Alternative ist, diesen Stimmen das Feld zu überlassen. Das will ich noch weniger. Ich lege deshalb offen, wie solche Online-Kongresse funktionieren, ich informiere über mein Interview und fordere meine Community auf, für sich selbst zu prüfen, ob und wie sie teilnehmen wollen.

Side Facts zum Thema Geld:

Wie gesagt: Online-Kongresse sollen verkaufen. Deshalb stecken hinter dem Format Online-Kongress ganze Business-Modelle für die Organisation (Video-Aufnahmen, Landingpage, Partner-Programm). Veranstalter:innen müssen dafür Geld in die Hand nehmen – und das natürlich auch wieder rein bekommen.
Die Referent:innen bekommen kein Honorar, sondern können sich als „Affiliates“ für das Partnerprogramm registrieren. Dann werden sie an den Einnahmen beteiligt, die durch sie entstehen. Sprich: Wenn jemand sich über „meinen“ Link für den Kongress anmeldet und irgendwann später dann ein Kongresspaket kauft, bekomme ich einen Anteil der Einnahmen.
 
Deshalb ja: Wenn Du teilnimmst und überlegst, vielleicht das Kongresspaket zu kaufen, melde Dich bei Online-Kongressen, für die ich einlade, sehr gern über den Link an, den ich Dir sende.

Meine Empfehlung für Teilnehmer:innen

Achte auf Deine Gefühle!

Achte beim Anschauen der Landingpages von Online-Kongressen darauf, wie Du Dich an welcher Stelle der Seite fühlst. Prüfe: Wie wird mit dem schlechten Gewissen umgegangen? Oder springe direkt zur Liste der Speaker:innen und schau, welche Themen wirklich relevant für Dich sind.

Was ich problematisch finde:

Erstens werden Schuldgefühle verstärkt und instrumentalisiert und zweitens werden die Lösungen für gesellschaftliche Probleme den Einzelnen aufgebürdet. Die echten Lösungen stecken zu oft nicht im Kongress, sondern in den anschließenden Bezahlprodukten.

Mein Fazit: Prüft alles – das Gute behaltet!

Wie gesagt: Ich finde Online-Kongresse eine super Möglichkeit. Wirklich. Siehe die Vorteile, die ich oben aufgelistet habe.
Mein Anliegen ist, dass wir uns bewusst sind, dass Online-Kongresse nicht nur aus lauter Gutherzigkeit angeboten werden, sondern dass hinter ihnen Business steckt. 
Als Speaker:innen und als Teilnehmer:innen gehen wir dabei ein Geschäft ein.
Und ja: Auch ich biete als Speakerin bei Online-Kongressen meine Bezahlprodukte an. Auch für mich gilt: Online-Kongresse sollen etwas verkaufen. Das ist auch Teil von meinem Job. Aber ich möchte damit ganz transparent umgehen. Und wenn ich selbst mal überlege, einen Online-Kongress zu gestalten, will ich genau prüfen, ob dieses Format meine Ziele und Werte unterstützt oder nicht, bzw. wie er gestaltet sein müsste, damit er das tut. In dem Sinn ist dieser Beitrag auch eine Erinnerung an mich selbst.

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